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chappele-leist.ch
Posthalter:
Böse Grüsse von
der Post |
Daniel
Finger ist Posthalter in Hinterkappelen, einem Ortsteil der Gemeinde
Wohlen bei
Bern. Die Landschaft dort ist idyllisch, besonders die Gegend rund um
den nahen
Wohlensee. Finger fühlt sich der Gemeinde verbunden. Und da er von
der
Postdirektion ohnehin dazu angehalten ist, Drittprodukte wie
Glückwunschkarten
zu verkaufen, nahm er kurzerhand auch die Ansichtskarten des Vereins
«Heit Sorg
zum Wohlesee» in sein Sortiment auf.
Die Karten erfreuen sich in Wohlen grosser Beliebtheit, und die Hinterkappeler wissen es zu schätzen, dass sich der Posthalter aktiv für die Belange der Gemeinde einsetzt. Weniger geschätzt wird Fingers Eigeninitiative dagegen bei der Postdirektion – seit Anfang Jahr duldet sie den Verkauf der gefragten Ansichtskarten nicht mehr. Die Postdirektion will landesweit nur noch Grusspostkarten eines einzigen Anbieters unter die Leute bringen.
Erwin Dubs (Bild), Präsident des Hinterkappeler Quartiervereins Chappele-Leist, versteht das nicht: «Das ist armselig. Auf der einen Seite jammert die Post darüber, dass sie kostendeckend arbeiten muss, und auf der anderen Seite wird die Eigeninitiative der Posthalter untergraben.»
Anlass zum Ärger gibt es nicht nur in Hinterkappelen. «In vielen Gemeinden ist den Posthaltern untersagt worden, regionale Produkte anzubieten», erklärt Samuel Koenig, Informationsbeauftragter bei der Gewerkschaft Kommunikation.
Keine Marken im Käsesortiment
Die Post ist per Gesetz verpflichtet, den Service public flächen-,
aber
zugleich kostendeckend zu garantieren; um Kunden anzulocken, setzt sie
auf den
Verkauf von Drittprodukten. Damit konnte im vergangenen Jahr ein
Nettoertrag von
immerhin 20 Millionen Franken erwirtschaftet werden. Gerade in
ländlichen
Gegenden bieten die Posthalter gern Produkte der ansässigen
Landwirte oder von
regionalen Kleinfirmen an.
Damit ist jetzt Schluss – die Post macht Tabula rasa: Postkarten von Vereinen, Honig vom Dorfimker oder handgefärbte Biowolle haben in den Regalen plötzlich keinen Platz mehr. Zwar will der gelbe Riese gemäss Presseerklärung den «ertragreichen Verkauf von Drittprodukten gezielt fördern» – aber nicht mehr mit einem regionalen Angebot, sondern mit Büchern, CDs und DVD-Filmen. So betreibt die Valora-Gruppe in der Zürcher Sihlpost seit letztem Herbst gar einen kompletten Kiosk. Und in der Basler Hauptpost läuft seit Mitte Dezember ein Pilotversuch: mit einer Kaffeebar, in der es auch Wein, Fruchtsäfte und belegte Brötchen gibt.
Zu einem Wildwuchs an Angeboten in den Postfilialen soll dies aber nicht führen. «Wir wollen in Zukunft bei Drittprodukten ein landesweit einheitliches Sortiment anbieten», sagt Jolanda Imhof, Kommunikationschefin der Poststellen Region Mitte. «Zum einen, damit die Poststellen einen einheitlichen Auftritt haben, zum anderen aber auch, um den Verwaltungsaufwand zu optimieren.»
Merkwürdig nur, dass kleine, unrentable Poststellen in Zukunft auch in den Dorfladen integriert werden können. Da wäre das «landesweit einheitliche Sortiment» dann plötzlich wieder von regionalen Produkten umgeben. Für Jolanda Imhof ist das absolut kein Widerspruch: «In diesem Fall würden ja nicht Briefmarken an der Käsetheke verkauft. Die Poststelle im Dorfladen hätte einen klar abgegrenzten, festen Schalter.»
Für Erwin Dubs vom Hinterkappeler Quartierverein
macht die ganze Übung keinen Sinn: «Ich sehe nicht ein,
weshalb es ein
Unterschied sein soll, ob die Post in einem Lebensmittelladen steht
oder der
Lebensmittelladen in der Post.» Dubs ist überzeugt:
«Wenn der Verkauf von
Drittprodukten etwas bringen soll, dann nur wenn auch eine regional
verwurzelte
Palette angeboten wird, die nicht an jedem Bahnhofkiosk zu haben
ist.» Wie die
Ansichtskarten vom Wohlensee.